Italien Offroad 2020

2020, ein wahrlich geschichtsträchtiges Jahr…. Ende 2019 begann ich erste Offerten für eine Südafrika- / Namibiareise einzuholen, schon viel zu lange war ich nicht mehr in Übersee. Just mit dem Corona Lockdown Mitte März war dann alles gebucht und bestätigt aber noch nicht voraussehbar was bis im Herbst alles passieren würde. Im Spätsommer war dann jedoch klar, dass ich mir eine Alternative suchen musste, bloss wohin Mitte Oktober und was war aufgrund der Reisebeschränkungen überhaupt möglich? Klar war, dass zu dieser Jahreszeit eigentlich nur der mediterrane Raum in Frage kam. Nun denn, ich zögerte die Entscheidung quasi bis zur Abfahrt hinaus, plante den ACT Italien oder den TET Sardinien zu fahren und dies vom aktuellen Wetter abhängig zu machen, natürlich hatte ich sämtliche benötigten Papiere schon bereitgelegt.

Ach, wie schön war das, dem frostig nasskalten Norden (es waren maximal 8 Grad vor dem Gotthard) zu entkommen und dann in schönster Herbststimmung mit wohligen 18 Grad dem Lago Maggiore Richtung Süden entlang zu gleiten. Wie meistens wenn ich nach Genua fahre, machte ich auch diesmal Halt am Südende des Lago Maggiore, diesmal in Arona, einem wirklich hübschen Städtchen, bloss der eisige Nordwind wollte da nicht so passen. 

Trotz der Fahrt über kleinste Strässchen durch die Poebene und vieler Kurven im ligurischen Hinterland war ich viel zu früh am Hafen von Genua, aber lieber so als gestresst am Ziel anzukommen. Auf der Fähre hatte ich mir eine Kajüte gegönnt, allerdings wie so oft total unterschätzt wie diese jeweils hinunter gekühlt werden, schliesslich konnte ich nur in der langen Unterhose, Socken und Mütze halbwegs ein bisschen schlafen. 

Olbia-Cala Gonone

  • Distanz: 170 km
  • Höhenmeter: 2450 m
  • Land: ITA

Sardinien Offroad 2020, 1. Etappe, 

– alles asphaltiert, wegen Regen kein Offroad.

– Sehr schön die SP 3 zwischen Sant‘ Anna und Lula

Als die Fähre frühmorgens in Olbia anlegte erwachte Sardinien gerade aus einer regnerischen Nacht, es war feuchtwarm aber noch alles richtig wolkenverhangen. Für den Tagesverlauf waren einige Gewitter vorausgesagt, deshalb entschied ich mich auf Offroadexperimente zu verzichten und mit einem kleinen Umweg ins im Voraus gebuchte Hotel in Cala Gonone zu fahren. Die Kurven hinauf nach Monti und kurz danach fühlten sich wie eine Wiedergeburt an, ein Gefühl das wohl nur Motorradfahrer kennen, Freude pur, quasi wie ein Fohlen das nach langer Zeit im Stall wieder auf die Wiese gelassen wird. Auch das Strässchen hinunter nach Torpè, die Passstrasse nach Lodè bis Sant’Anna waren traumhaft aber das Sahnestückchen sollte noch folgen, denn der Abschnitt auf der SP 3 nach Lula gehört seit langem zu einer meiner Lieblingsstrecken. Zügig ging es weiter bis Dorgali, dort sicherte ich mir beim Reifenhändler neues Geläuf für den nächsten Tag, bog ab in den Tunnel nach Cala Gonone und  wie eine Offenbarung breitete sich bei der Ausfahrt die bezaubernde Bucht vor mir aus, endlich Ferien! Das ruhige, etwas oberhalb gelegene Hotel la Playa bot besten Frühstückskaffee, gutes Abendessen mit sehr freundlichem Service und das grosse Zimmer einen grossen Balkon mit Sicht auf den Pool dazu.

Den freien Tag nutzte ich wie erwähnt zum Reifenwechsel, wie ich mich erinnern kann den günstigsten ever und zu einem Strandspaziergang, für einen Sprung ins kalte Wasser fehlten mir jedoch ein paar Grad und vor allem ein steter Sonnenschein, denn zwischendurch gab es die Abkühlung immer wieder von oben.

Cala Gonone-Muravera

  • Distanz: 225 km
  • Höhenmeter: 3940 m
  • Land: ITA

Sardinien Offroad 2020, 2. Etappe. ca. 50% von TET Italy, davon viel auf Asphalt. 

Offroad: 

– ab Osini (Km 130) bis zur SP 13 (km 155) 

– von km 163 bis 167 (östlich von Perdasdefogu) 

– von km 195 bis 212 (zwischenSS 125 und SS 387)

Mit neuen Finken (Continental TKC 70) sollte es tags darauf endlich Offroad auf dem TET losgehen, zuerst ging es jedoch die kleine alte Strasse hoch Richtung Galitelli, ein paar Kilometer nur aber atemberaubend mit der Aussicht. Der TET folgt teilweise langen Abschnitten auf asphaltierten Strassen und kaum wäre es mal ins Gestrüpp gegangen prasselte der nächste Regen nieder und da lasse ich dann lieber Vorsicht walten, war ich doch wie meist alleine unterwegs und 350kg allein aus dem Schlamm zu ziehen ist nicht so mein Ding. Hübsch war die alte Passstrasse südöstlich von Fonni und dann natürlich vor allem das Stück durch den Monte Gennargentu Nationalpark und vorbei am Perda Liana, dieses herausragende Monument ist bei jedem Besuch Sardiniens Pflicht für mich. In Osini folgten ein paar spektakuläre Serpentinen an einer Felswand hoch und dann zwischen Felswänden hindurch ging es endlich auf einen unbefestigten Teil des TET, ein wunderbares Gebiet an Pisten das sich hier ausbreitet. Nach einer steilen Abfahrt gings kurz befestigt weiter um dann an ein verschlossenes Tor zu gelangen, so wie ich es verstand durfte dieses jedoch passiert und dann wieder verschlossen werden. Wie ich später herausfand, verpasste ich leider die eindrucksvollen Wasserfälle von Lequarci mangels besserer Vorbereitung und auch mangels Wasser, trotz der Regenfälle.

Es ist eine imposante Canyonlandschaft die hier durchquert wird, später ging es vorbei an rauschenden Windrädern hinunter an die Küstenstrasse. Bei Quirra gab es dann noch einmal einen unbefestigten Abstecher, der zuerst einem Bach folgend und mehrmals querend und der später, kaum eine Passhöhe erreicht mit einem unvergesslichen Weitblick in der Abendsonne belohnt werden sollte. Ein traumhaftes Teilstück, da konnte dann das Green Gallery Hotel and Restaurant in Muravera nicht mithalten, erst musste ich mehrere Anrufe tätigen bis nach 45 Minuten endlich jemand auftauchte um mir das reservierte Zimmer zu geben, immerhin gab es ein gratis Upgrade nachdem sich das Zimmer überhaupt nicht wie gebucht als Delux herausstellte.

Muravera-Iglesias

  • Distanz: 207 km
  • Höhenmeter: 2720 m
  • Land: ITA

Sardinien Offroad 2020, 3. Etappe. kleiner Anteil TET, grosser Anteil Offroad mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden von 1-3 

Offroad: 

– ab SS 387 (Km 16) bis halbe Strecke Villasalto (km 26) 

– ab km 44 bis Burcei km 59

– SP 1 ab km 133 (bei Capoterra) bis km 160 bei (Santadi)

Wie schon in Portugal konnte mein TomTom leider nicht viel mit dem Track anfangen und so wurde das navigieren oft zu einem Roulette, dies erfuhr ich am nächsten Tag wieder als ich auf einen überwachsenen Feldweg einbog. Der Bauer dem ich kurz darauf begegnete meinte, dass diese Strecke «bruto» und kaum passierbar wäre, ich solle doch die andere Flussseite nehmen. Kaum auf der anderen Seite begegnete ich einem Traktorfahrer, der mir auch von dieser Piste abriet, nach kurzer Diskussion jedoch beschied, dass sie durchgängig wäre. Nun, bis auf die Querung eines trockenen Flussbettes war das dann kaum eine Herausforderung und schon bald war ich in Villasalto, wo dann kurz danach der nächste Abstecher folgen sollte. Zuerst war ich sehr skeptisch wegen der Steinschlag-Gefahrentafel, doch dann wagte ich mich die teilweise sehr steile und mit gröberem Schotter bedeckte Strecke in Angriff zu nehmen, immer ein mulmiges Gefühl im Bauch ob die Piste auch durchgängig befahrbar wäre. Nach ein paar Kilometern meinte ich eine Strasse zu sehen, dies war aus der Ferne jedoch eine optische Täuschung und so ging es wunderbare, teils recht herausfordernde 15 Kilometer über 2 Pässe bis Burcei. Kaum an der SS125 machte ich noch einen Abstecher nach Monte Cresia, vor allem die Abfahrt dann war sensationell, ein kleines Strässchen beinahe von beiden Seiten zugewachsen, so dass nur ein ca 1,5 m breiter Korridor blieb, ging es in vielen Serpentinen talwärts, immer wieder wunderbare Aussichten auf die Bucht von Cagliari bietend.

An diesem Tag musste ich allerdings 2 Mal Offroad-Übungen abbrechen, in Sinnai war mir schon der Einstieg nach Dolianova zu krass und nach Narcao wollte ich Abseits der Hauptstrassse nach Villamassargia fahren, gab dieses Unterfangen jedoch nach einer heftigen, kurzen aber sehr steilen und ausgewaschenen Rampe auf. Die wunderbaren 30 km auf der SP 1 nach Santadí liess ich mir jedoch nicht nehmen, schon zum vierten Mal bot mir dieses Stück unheimlich viel Spass. Das Euro Hotel in Iglesias versprühte einen Glanz aus barocken Zeiten, wie ein altes Grand-Hotel aber für eine zweite Nacht zum Ausspannen fehlte mir dann doch etwas. Iglesias hat eine bezaubernde Altstadt, diese durfte ich schon vor ein paar Jahren für ein paar Tage bewundern, deshalb zog es mich tags darauf dann weiter Richtung Norden. 

Iglesias-Bosa

  • Distanz: 246 km
  • Höhenmeter: 3170 m
  • Land: ITA

Sardinien Offroad 2020, 4. Etappe. 

Offroad mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden von 1-4: 

– ab Domusnovas (km 15) bis Fluminimaggiore (km 36) teilweise sehr ausgewaschen und sehr steil, 

– ab Ingurtsosu (km 57) bis Montevecchio (km 65) breite Piste meist leicht zu fahren, 

– ab SP 65 (km 77) bis SP 65 (km 83) teilweise sehr schwierig und ausgewaschen mit 30cm Absätzen

Vor vielen Jahren hatte ich die Strecke von Domusnovas nach Fluminimaggiore schon mal gefahren, vor 5 Jahren noch einmal gesucht und nicht gefunden aber diesmal sollte es wieder klappen. Die Grotta San Giovanni kann leider nicht mehr befahren werden, ist aber sicher ein Besuch zu Fuss wert. Die Strasse führt nun bestens ausgebaut drum herum zu einem Parkplatz und dort geht es nun unbefestigt hoch zu einer Minenlandschaft, erst feucht durch einen Wald und dann abrupt sehr steil und ausgewaschen, teils auf blankem Fels berghoch. Dumm wenn wie bei mir genau an der steilsten Stelle ein Offroader kreuzen will, gut hat dieser schnell Richtung Graben gesteuert, so dass ich gerade noch mit Schwung vorbeiziehen konnte, stehen bleiben an so einer Stelle ist nicht ratsam oder sollte geübt sein. Oben wurde ich von einer erstaunten Gruppe Motocrossern vom Moto Club Iglesias begrüsst, sie konnten kaum glauben, dass ich das mit meinem schweren Gefährt geschafft hatte. Nach einem kleinen Schwatz rieten sie mir von meinen Plänen ab und führten mich ein paar Kilometer zur richtigen Abfahrt, sicher eine gute Entscheidung, grazie Ragazzi! Nach teils sehr steilen aber immer gut fahrbaren Abschnitten landete ich dann kurz vor Fluminimaggiore auf der unglaublich kurvigen aber bestens ausgebauten SS 126 die von Iglesias nach Guspini führt.

Ein paar Kilometer vor Arbus verliess ich diese wieder Richtung Ingurtosu, einer verrotteten Mine, speziell wie die Strasse quasi mitten durch das Wohnzimmer einer traumhaften Villa der Minenleitung führt. Bis Montevecchio ist die Strasse zwar breit aber unbefestigt und bestens befahrbar, erwähnenswert ist vor allem ein seltsames Gebilde durch das man hindurch fährt. Vor Marina di Arbus unternahm ich wieder einen unbefestigten Abstecher der zur bislang grössten Herausforderung werden sollte. Zuerst mit wunderbaren Ausblick auf Berge und Meer landete ich plötzlich auf einem immer schmaler und rauer werdenden Pfad, die erste, steile, ausgewaschene Rampe war noch gut machbar, die zweite beging ich dann erst zu Fuss und schliesslich gaaaanz langsam wie ich es in einem Video von Mototrek gelernt hatte. Glücklich die Klippe überwunden zu haben stand ich kaum eine Kurve weiter vor der nächsten, nur schon das Motorrad im steilen Gelände hinzustellen bereitete mir unglaublich Mühe. Wieder erkundete ich die zu meisternde Klippe zuerst 400m zu Fuss, erkannte eine Umfahrung des Gebirgsbachmässigen Trails und schaffte auch dieses Stück, zurück wäre wohl nicht gegangen, hatte ich doch über 30 cm hohe Absätze überwunden.

Den Rest des Tages genoss ich dann befestigt bis Bosa, eine richtig schöne erholsame Fahrt und Bosa sowieso, im herausragenden Hotel Palazzo sa Pisschedda genoss ich 2 Tage Ruhe. Bosa hat zwar eine Marina mit Strand und Hotels, allerdings gefällt mir die Altstadt unheimlich, so schön am Fluss und zu Füssen des Castello Malaspina gelegen.

Bosa-Porto Torres

  • Distanz: 273 km
  • Höhenmeter: 4720 m
  • Land: ITA

Sardinien Offroad 2020, 5. Etappe. ca. 40% von TET Italy. 

Offroad: 

– nördlich von Bono (SP 6 bis SP 36), nicht wirklich Offroad, einfach sehr schlechte Strasse mit viel Kies. 

– Ab Budduso (km 114) bis Oschiri (km 140), 

– ab Berchidda (km 153) bis Vallicolla (SP 51, km163), 

– ab SP 27 (km 180) bis km 193 vor Viddalba, 

– ab Tergu (km 222) bis SP 72 bei Osilo (km 238)

Zuletzt sollte es noch einmal zurück auf den TET gehen, quasi den Nordteil in umgekehrter Richtung. Dazu mussten aber zuerst die 100 km bis Buddusò überbrückt werden, auf den wunderbaren Landstrassen Sardiniens ist dies jedoch kein Problem, zumal mit dem Foresta di Burgos bei Bono ein wunderbares kleines Gebirge mit kleinsten, kurvigen Strassen aufwartete. Kurz nach Buddusò ging es wieder ab auf die Pisten, ein riesiges, waldiges, bergiges Gebiet mit vielen Windrädern und ebenso vielen meist breiten, leicht zu fahrenden Pisten.

Bei Berchidda führte das Strässchen plötzlich in eine kleine Schlucht und von dort unheimlich steil, zum Glück teils befestigt Berg hoch bis Vallicciola, wie es scheint ein beliebtes Erholungs- und Wandergebiet. In unzähligen Serpentinen ging es darauf hinunter auf die Hauptstrasse nach Tempio Pausania um aber schon kurz danach wieder auf eine Piste abzubiegen die hoch über dem Tal Richtung Westen führt, meist gut fahrbar, teilweise jedoch sehr holprig. Eben noch hatte ich eine wunderbare Aussicht auf Korsika verzückt als ich mal wieder vor einem grossen, verschlossenen Tor stand, dieses war jedoch nicht zu öffnen aber daneben gab es einen kleineren, groben Pfad der wohl nun befahren werden musste. Da ich immer wieder Spuren ausmachte nahm ich diesen in Angriff aber brauchte mal wieder beinahe eine Stunde für die knapp 3 Kilometer, dies war definitiv die gröbste Stelle auf dem TET die ich befahren hatte. Mit wunderbaren Ausblicken ging es an zahlreichen Windrädern vorbei hinunter nach Viddalba und nach ein paar erholsamen Kilometern sollte nach Tergu noch ein unvergessliches Dessert zum Abschied folgen.

Die knapp 30 km bis Santa Vittoria werden wohl für immer in Erinnerung bleiben, eine breite Piste ohne jeglichen Verkehr im schönsten Abendlicht durch hügeliges Landwirtschaftsland, ein Traum! Das Hotel Balai in Porto Torres war zwar funktional, konnte aber nicht wirklich mit Charme überzeugen. 

Der Plan war für den nächsten Tag die Fähre nach Civitavecchia zu nehmen und dann dort im Hotel zu übernachten und mir die Stadt noch kurz anzusehen. Normalerweise reicht es 2 Stunden vor Abfahrt am Hafen zu sein, Grimaldi verlangte jedoch Covid-bedingt 4 Stunden. Nun, ich war 2 Stunden vorher dort, als erster, weit und breit keine Fähre und dann kam noch die Nachricht, dass sie 1 Stunde verspätet sei. Als sie nochmal verspäteter endlich anlegte war ich richtig erstaunt darüber, dass dann nicht alle von Bord gingen, sondern die Fähre quasi voll blieb. Nun dämmerte mir, dass die Fähre aus Barcelona kam, ein seltsames Gefühl mit all den Quarantänebestimmungen plötzlich auf einem überfüllten Schiff zu landen, jedenfalls legten wir statt um 18.00 Uhr erst um 20.00 Uhr in Civitavecchia an und schon um 21.00 konnte ich als einer der ersten mit krass knurrendem Magen runter von der Fähre, denn die Restaurants auf der Fähre waren ja zu. Endlich durch den Zoll bemerkte ich, dass ich mein Daypack mit aller Elektronik und Ausweisen auf der Fähre liegen gelassen hatte, so heftete ich mich an den nächsten Container-Transporter zurück zur Fähre als mir ein völlig verdutzter Sicherheitsbeamter vors Motorrad sprang und mich zurückwies. Nach kurzer Erklärung konnte ich via Umwege doch noch einmal zurück auf die nach wie vor volle Fähre wo mein Daypack noch am selben Platz stand. Hurrah! Welch riesige Erleichterung! Die Stadtbesichtigung musste dann leider ausbleiben, ich war froh wenigsten noch ein Bier aufs Zimmer gefunden zu haben, zum Glück machte der Besitzer des B’n’B Nei Pressi del Porto keinen Aufstand als ich erst um 22.30 dort eintraf, latest Check-In wäre 20.00 Uhr gewesen.

Civitavecchia-Leonessa

  • Distanz: 317 km
  • Höhenmeter: 5210 m
  • Land: ITA

Abruzzo Offroad 2020, 1. Etappe. – im Südwesten von l’Aquila ein paar Kilometer Offroad, Tomtom Routenplanung… 

Offroad:

– ca 15km nördl. von L’Aqulia von Collebrincioni bis Cermone, Teil von ACT day 5

Die Wettervorhersage für die nächsten Tage änderte ständig, so entschied ich mich erstmal nach L’Aquila zu fahren und dann dort weiterzuschauen. Die Fahrt dorthin quer durchs Latium war wenig berauschend, kurz vor L’Aquila breitete sich ein unerwaretes Panorama aus mit der Stadt und dem schneebedeckten Gran Sasso im Hintergrund. Wenige Kilometer danach wähnte ich mich früher als gedacht auf dem ACT Italy, allerdings war dies einer seltsamen Routenwahl meines Tomtom geschuldet, das mich quasi quer übers Land und vor allem teils steilen schottrigen Pisten um L’Aquila lotsen wollte. Offroad ja aber so nicht und so liess ich mich schnellstens nach Collebrincioni lotsen, allerdings leider nicht ohne meine schwere Tiger in den steilen Gassen oberhalb L’Aqulia zum ersten Mal hinzulegen, ich hatte schlechten Stand und konnte das Gewicht nicht mehr halten…..Zum Glück wurde mir schnell geholfen Gustavo wieder auf die Beine zu stellen. In Collebrincioni musste ich dann, nachdem ich in einer Wiese mit 5 Pfaden gelandet war, zuerst einmal den richtigen unbefestigten Track des ACT finden aber dann, kaum gefunden, war das wieder ein Traum einer Route. Über eine Anhöhe ging es erst auf eine Art Hochebene und dann in unzähligen teils sandigen Serpentinen hinunter nach Arischia und weiter durch ein samtenes Tal, alles in traumhaftem Abendlicht.

Die 3 Jungs die ich dann an der Tanke traf waren in entgegengesetzter Richtung auf dem ACT unterwegs und gaben mir dann ein paar Tipps mit auf den Weg, sie meinten, dass ich das Stück bis Leonessa besser auf Asphalt zurücklege, was mir angesichts der späten Zeit auch entgegen kam. Und es wurde richtig kalt, im etwas seltsamen Leo Hotel konnte ich mich erstmal kaum aufwärmen, zu kalt war das Zimmer, irgendwie wie die ganze Stimmung im Hotel, es erinnerte mich ein bisschen an das Hotel im Film „Psycho“. Ein in die Jahre gekommenes Kurhotel, riesig, mit 3 Gästen, einem hohen Speisesaal, weiss gedeckt aber kalt, man kann sich da mit wenig Phantasie einiges vorstellen…. Aber das sehr günstige Essen war lecker😊

Leonessa-Chieti

  • Distanz: 226 km
  • Höhenmeter: 3390 m
  • Land: ITA

Abruzzo Offroad 2020, 2. Etappe, mit Teilen von ACT Italy: Offroad:

– ca 4 km von Scai (km 42) bis Roccapassa (km 46)

– ca 7 km Offroad östlich von L’Aquila zwischen SS 17 (km 115) und Barisciano (km 122)

– ca 4 km von Santo Stefano (km 130) bis Calascio (km 134)

Richtig kalt war es auch am nächsten Morgen und was ich am Vorabend nicht geschafft hatte, eine Besichtigung des hübschen Städtchens Leonessa, holte ich dann mit einer kleinen Runde auf Gustavo nach. Die Wettervorhersage hatte wiedermal gedreht und so entschied ich mich quasi zurück und der Schlechtwetterfront davonzufahren. Irgendwie bemerkte ich die Nähe zu Amatrice nicht, jedenfalls genoss ich ein paar unbefestigte Kilometer südlich von Torrita und dann vor allem die Fahrt entlang des Lago di Campotosto, was für eine Farbenpracht, das herbstliche Laub, der See und der weiss gezuckerte Gran Sasso im Hintergrund. Erschüttert war ich dann aber in Campotosto selbst, das Erdbeben von l’Aquila war mir präsent, ich dachte aber es wäre vieles wieder aufgebaut und nun dieses total zerstörte Dörfchen in dieser Idylle, und wie gesagt, die Nähe zum zweiten Epizentrum bei Amatrice war mir nicht bewusst.

Mit einem seltsamen Gefühl von Betroffenheit und Ohnmacht von der Schönheit der Natur fuhr ich weiter, eine dunkle Wolkenfront im Nacken und bog dann in der Nähe von Assergi wieder ein in den ACT, so meinte ich zumindest. Egal, es war eine wunderbare Offroadstrecke bis Barisciano und kurz nach Santo Stefano gleich noch einmal bis Calascio, immer wieder fantastische Ausblicke bietend. Nach Castell del Monte kam ich in ein Gebiet, das mich sehr an die Farben und der Art der Berge an die Anden erinnerte, schade war das Licht wegen der Feuchtigkeit so diffus, diese Gegend werde ich mir unbedingt noch einmal anschauen.

Sehr kurvig ging es dann über das hügelige Adriahinterland nach Chieti, im Hotel Grande Albergo Abruzzo, noch ein in die Jahre gekommenes Grandhotel, wartete ich dann 2 Tage die Regenfront ab. Chieti hat eine sehr hübsche Altstadt, hoch auf einem Hügel gelegen mit bester Aussicht aufs Meer und die Abruzzen, allerdings fand ich kaum ein Restaurant, für die Grösse der Stadt eher seltsam.

Chieti-Macerata

  • Distanz: 252 km
  • Höhenmeter: 4520 m
  • Land: ITA

Abruzzo Offroad 2020, 3. Etappe.

Offroad:

– ca 13 km unbefestigt zwischen Putignano und Piano Maggiore

Aufgrund der Wettersituation entschied ich mich, fortan eher auf der Adriaseite nordwärts zu fahren, zuerst wieder sehr hügelig bis Teramo. Kurz nach Putignano führte die breite Piste der SP 51 über mehrere Kehren auf Kies / Schlamm / Schotter zuerst durch einen Wald und später dann an einem Kamm entlang, immer wieder spektakuläre Aussichten bietend hinauf zum Passo Pietra Stretta. Gleich nach der Passhöhe tauchte ich ein in ein unglaubliches 360 Grad Farbenmeer herbstlichen Blätterwaldes, ein totales Flash, war doch auch der Boden mit Laub übersät, der Untergrund unter den Rädern war nur noch durch das Fahrverhalten auszumachen, es waren sehr intensive, unvergessliche 20 Kilometer. Ab Piano Maggiore änderte sich nur der Belag, die Farbenpracht hielt sich für den Rest des Tages. Sehr kurvig ging es weiter bis zur Passhöhe oberhalb von Acquasanta Terme und dann zügig auf der Hauptstrasse durch eine Schlucht nach Arquata del Tronto.

Eigentlich wollte ich durch den Nationalpark Monti Sibillini fahren, anscheinend war aber die Strasse gesperrt und so entschied ich mich der Ostseite entlang nach Macerata zu fahren. Was ich in Borgo zuerst nicht einordnen konnte waren die vielen Baubarracken, erst in Pretare wurde mir wieder bewusst was die Erdbeben von 2016 und 2017 in der Region ausgelöst hatten, meine Route führte mich abermals mittendurch durch diese Tragödie. Tief betroffen konnte ich die Schönheit der Natur kaum mehr geniessen, an den Rest der Route bis Macerata kann ich mich wohl auch deshalb kaum mehr erinnern. Die Albergo Arena jedoch blieb in bester Erinnerung, ein überaus freundlicher Empfang, quasi eine Einzelgarage fürs Motorrad und ein wunderbares Zimmer und dies quasi mitten in der Altstadt, einfach wunderbar und wirklich ein Tipp! Auch die Altstadt konnte mit viel Charme aufwarten, dort werde ich bestimmt wieder hinfahren.

Macerata-Faenza

  • Distanz: 289 km
  • Höhenmeter: 5120 m
  • Land: ITA

Abruzzo Offroad 2020, 4. Etappe: 

Offroad:

– ca 25 km unbefestigt zwischen Lago di Cingoli und Cerreto d’Esi 

– ca 10 km unbefestigt zwischen Costacciaro und Scheggia

Wenn ich nicht gerade auf einen Track wie ACT oder TET zurückgreife, recherchiere ich erst mal auf google maps/streetview mögliche fahrbare Pisten gibt, setze diese dann als Wegpunkte in mein Tomtom und überlasse diesem den Rest der zufälligen Routenplanung, meist mit der Einstellung kurvenreich. Deshalb habe ich auch den Routenverlauf nicht detailliert präsent, was aber meistens sehr gut funktioniert und immer wieder Überraschungen bereithält, manchmal halt auch eher schwierige. So geschehen nach einem Abzweiger in Cingoli, ich rechnete ab dort mit Offroad-Strecken aber diese hatte es dann in sich, war es doch nur eine steiler Waldweg der ein paar Serpentinen abkürzte (diesen Teil habe ich aus dem Track gelöscht, da nicht fahrbar mit einer Grossenduro). Nun, wie oft überlegte ich mir noch umzudrehen, doch ich war schon zu weit, nahm das Herz in die Hand und rumpelte das quasi Bachbett aus losem Geröll runter und konnte bei einer Gabelung gerad noch so in letzter Sekunde anhalten. Zu Fuss ging ich die nächsten 300 m um mit der Entscheidung, dass diese unfahrbar sind zurückzukehren. Es gab nur einen Weg mich aus dieser misslichen Situation zu befreien, drehen! Als erstes befreite ich das Motorrad um 2 Seitenkoffer und die Tasche auf dem Soziussitz was sicher 50 Kg ausmachte und schleppte diese 300 m den Berg hoch. Natürlich schon total ausser Atem versuchte ich nun die Triumph über den bestimmt mit 20% Steigung versehenen Abzweiger zu würgen, dummerweise steckte ich, kaum in der richtigen Richtung, auch noch an einem grossen Steinbrocken fest. Absteigen und hinstellen ging nicht, so brauchte ich bestimmt 30 Anläufe um mich daraus zu befreien. Auf einem kleinen Plateau in der Haarnadelkurve konnte ich dann kurz durchatmen, mein Herz nochmal in die Hand nehmen und die Piste hochkraxeln, dies ging dann erstaunlich gut, problemlos eigentlich so quasi ohne Gepäck. Mir wurde wieder bewusst was ich jeweils so anstelle mit einer 270 kg Maschine und gut 70 kg Gepäck hintendrauf, also quasi eine Sozia und damit Offroad fahre. Für diesen Kilometer brauchte ich also eine geschlagene Stunde, war aber wieder um eine Erfahrung reicher.

Ein paar befestigte Kilometer weiter ging es dann auf den geplanten Abzweiger und 35 wunderbare Kilometer auf einem feinen Kiessträsschen, zwischendurch auch mal befestigt, über 2 Pässe nach Cerreto d’Esi, eine schöne Entlöhnung für die Strapazen davor. Nun wollte ich zurück auf den ACT doch in Umbrien zogen sehr dunkle Wolken auf, bei Costacciaro konnte ich dem Abzweiger hoch zum Monte Cucco jedoch nicht widerstehen. Oben allerdings war es unglaublich ungemütlich, sehr exponiert einem Grat entlang bei orkanartigem Wind machte dann keinen Spass mehr, obwohl ich kurz nach Scheggia noch einen Versuch wagte aber wegen einer unpassierbaren Baustelle umkehren musste. Das Wetter war auf dieser Seite des Apennin definitiv zu ungemütlich und so suchte ich den schnellst- und schönst möglichen Heimweg Richtung Norden, natürlich immer abhängig von den gerade geltenden Covid-Bestimmungen, was mir bestens gelang und somit doch noch einen schönen Urlaub im 2020 bescherte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s