Balkan Offroads 2018 oder letzte Reise mit der Triumph Explorer

Im Frühjahr 2018 bekam ich endlich Bescheid, dass meine Triumph Explorer in Süddeutschland bei Triumph Rottweil angekommen war und mit den inzwischen knapp 100’000 angesammelten Kilometern gönnte ich ihr eine Generalüberholung, die mich den stolzen Betrag von über 3000.- € kostete aber ich wollte ja eigentlich auch noch einmal 100’000 km mit ihr durch die Welt reisen.

Nun denn, meistens kommt es anders und zweitens als man will😉. Den ganzen Sommer bastelte ich immer wieder an der Triumph rum weil sie oft heiss lief und Kühlwasser verlor, Druckprüfungen hielt sie jedoch immer stand, die Kopfdichtung konnte es also nicht sein. Für die im September anstehende Reise schien dann doch alles ok, als letzte Lösung nahm ich aber Steelseal (ein Zylinderkopf-Dichtungsmittel) mit, um nicht plötzlich mit einer toten Maschine rumzustehen.

Zürich-Breno

  • Distanz: 341 km
  • Höhenmeter: 7260 m
  • Land: SUI / ITA

– alles befestigt

– Pässe: Wolfgang, Flüela, Ofen, Umbrail, Gavia 

Am ersten Tag ging es also über Wolfgang-, Flüela-, Ofen-, Umbrail- und Gaviapass nach Breno, einem kleinen, pittoresken Ort den ich schon öfters als ersten Übernachtungsort besuchte, das Hotel Giardino bietet freundlichen Service und angenehme Zimmer zu guten Preisen, zudem kann das Motorrad gratis untergestellt werden. In der Bar la Büsa gibt’s dann zum ersten Bier gleich noch umsonst eine kleine Tapasplatte, alleine dafür würde man in Zürich schon mal CHF 20.- hinblättern.

Breno-Spilimbergo

  • Distanz: 400 km
  • Höhenmeter: 9250 m
  • Land: ITA

– Pässe: Croce Domini, Maniva, Spina, Baremonte, Ampola, Santa Barbara, Bordala, Vigolo Vattaro, Brocon, Grobbera, Cereda, Forcella Franche, Duran, Sant‘ Osvaldo, Forcella di Pala Barzana

– ca 20 km unbefestigt zwischen Croce Domini und Maniva / Passo della Spina

Breno liegt ideal am Fusse des Croce Domini, von dort geht es unbefestigt, aber leicht zu fahren, mit wunderbarer Aussicht auf der Kammstrasse Richtung Maniva weiter und kurz nach der Abzweigung Richtung Anfo wird es dann richtig spektakulär. Erst durch eine Gallerie und dann an supersteilen Abhängen entlang, auf einem kaum 2 m breiten Strässchen, taucht man plötzlich unbefestigt zwischen Felsen auf, ein atemberaubender Augenblick. Das Strässchen selbst ist nun ein bisschen herausfordernder, allerdings sieht man auch immer wieder wie sich Strassenmotorräder drüber kämpfen…..

Über insgesamt 15 Pässe ging es bis Spilimbergo, auch dies ein Ort, den ich sehr oft für Übernachtungen auswähle, wenn es Richtung Balkan oder zurück geht. Die Albergo Michielini war früher mal richtig günstig, mittlerweile bezahlt man eher ortsübliche Preise, ohne dass der Komfort besser geworden wäre, allerdings gibt es eine geschlossene Garage fürs Motorrad. Was aber immer sein muss ist ein Abendessen in der Altstadt, in der Albergo/Ristorante Consul, hervorragendes Essen sempre fatto a casa de mia mamma, also beste Hausmannskost auf italienische Art und als Absacker einen Grappa ai Mirtilli, eine Art Holunderbeeren in Grappa eingelegt.

Spilimbergo-Mali Losinj

  • Distanz: 298 km
  • Höhenmeter: 2810 m
  • Land: ITA / SLO / CRO

– ca 5 km unbefestigt über ein paar Feldwege in der Nähe von Udine

– auf der Insel Cres gibt es die Variante von Cres nach Valun eine unbefestigte Piste entlang der Küste zu nehmen.

Der nächste Tag brachte unverhofft ein paar unbefestigte Kilometer in der Umgebung von Udine, weiter Richtung Triest suchte ich mir eine Route weg vom Hauptverkehr und Küste. Im «Hinterland» und durch Slowenien führen wunderbare kleine kurvige Strässchen, durch Istrien dann sowieso. Die Küstenstrasse südlich von Opatija ist ein Traum, auch wenn ich diesmal nur einen kleinen Teil davon fuhr aber so RICHTIG GEIL wird’s dann auf Cres, kaum hat man die Fähre in Porozina verlassen beginnt für mich eine der schönsten Motorradstrecken überhaupt bis zum Hauptort Cres, da heisst es dann jeweils entweder man ist als erster von der Fähre runter oder man setzt sich eine halbe Stunde ins Kaffee und wartet bis sich der Verkehr verzogen hat. 

Cres

Cres ist für mich ein Rückzugsort/Insel, dort fühl ich mich einfach wie zuhause, egal ob in Cres selbst oder in Losinj, einfach eine wunderbare Insel wo man auch immer wieder einsame Buchten findet, vorausgesetzt man geht auch gerne mal zu Fuss. Obwohl ich sicher schon mehr als eine Handvoll mal auf Cres war übernachtete ich zum ersten Mal in Mali Losinj, allerdings werde ich das nächste Mal wieder versuchen im bezaubernden Veli Losinj eine Unterkunft zu finden, Mali ist mir zu mondän mit all den riesigen teuren Jachten. Sehr oft treffe ich dort einen alten Bekannten, diesmal feierte er gerade seinen 60. Geburtstag, dies bemerkte ich jedoch erst nachdem wir uns den ganzen Tag schon an der Triumph die Hände schmutzig gemacht hatten und Anfangs angesprochenes Steelseal einfüllten, tja, die Triumph begann wieder zu kochen. Dies tat irgendwie auch Bernhards Frau als sie uns sah, trotzdem bewirtete sie uns erst mal mit saftigster Melone und feinstem dalmatischen Pršut (Schinken). Das Festessen gab es dann wie immer bei Luka im Restaurant Dalmacija, hervorragenden Fisch und eine Bewirtung wie man sie nur von Freunden bekommt.

Mali Losinj-Karlobag

  • Distanz: 319 km
  • Höhenmeter: 4800 m
  • Land: CRO

– div. Abschnitte im Velebit ab Križišće ca 20km unbefestigt bis Breze 

– ca 5 km unbefestigt zwischen der Hauptstrasse bei Majorija und Oltari 

– 25 km unbefestigt nordöstlich von Karlobag

Zurück auf dem Festland ging es gleich rein ins Velebit Gebirge, vorwiegend auf kleinsten Strässchen, teilweise unbefestigt aber immer gut fahrbar und wie kurz vor Breze mitten durch einen Märchenwald. Immer wieder wechseln sich bestens ausgebaute Land- und kleine Waldstrassen ab bis es oberhalb Senj zum ersten Mal richtige Ausblicke auf die Adria mit den vielen vorgelagerten Inseln gibt. Die Traumhafte Passstrasse von Sveti Juraj bis Oltari hatte ich diesmal zu Gunsten einiger Kilometer auf gut fahrbarer Piste ausgelassen. Nach vielen kurvigen Kilometern am Rande des Velebit Nationalparks hatte ich dann wieder eine Abzweigung auf unbefestigte Waldstrassen genommen, 25 traumhafte Kilometer oberhalb von Karlobag mit einer der schönsten Stellen für mich wo die kleine Schotterpiste durch Tunnels und Spalten in Felsen führt.

Die Passstrasse hinunter nach Karlobag steht keiner hochalpinen Passstrasse nach, einfach ein Traum mit dem Ausblick auf das kahle, gelbliche Pag im blauen Meer. Karlobag ist wunderbar am Fusse besagter Passstrasse ins Velebit-Gebirge gelegen und natürlich vor allem am Highlight an der kroatischen Küste, der Magistralen, mit dem schönsten Abschnitt von Senj nach Starigrad Paklenica.

Karlobag-Primošten

  • Distanz: 289 km
  • Höhenmeter: 3210 m
  • Land: CRO

eine Fahrt durch Winnetou’s Land

– 30 km unbefestigt östlich von Karlobag 

– 20 km unbefestigt nach Sveti Rok, Mali Alan Pass 

– 10 km unbefestigt zwischen Ervenik und Mokro Polje

Und weil’s so schön war ging es am nächsten Morgen auf der gleichen Strecke 40 km zurück, um dann einen Abzweiger Richtung Gospic zu nehmen, also noch einmal gut 30 km zum Teil schon ein bisschen herausfordender Schotter. Ab Sveti Rok ging es dann unbefestigt und mit teilweise tiefem Schotter hoch in Winnetou’s Land, auf dem Mali Alan wurden einige Szenen verschiedener Winnetou-Filme gedreht, neuerdings gibt es dort gar so etwas wie eine Gedenktafel / Ahnengallerie die einige Fans anzuziehen vermag.

Kaum über der Passhöhe breitet sich ein atemberaubendes Panorama vor einem aus und die nicht ganz problemlos zu fahrende Schotterpiste windet sich über viele Serpentinen in die Ebene bei Obrovac wo zum ersten Mal ein weiteres Relikt aus Winnetou-Filmen zu sehen ist, die Zrmanja mit zugehörigem Canyon. Dieser ist dann immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen und wird bis Makro Polje einige Male überquert. So atemberaubend dieser Landstrich landschaftlich ist, so bedrückend sind die vielen Ruinen mit den Schusslöchern aus dem Jugoslawienkrieg in den 1990er Jahren. Kurz nach Radučić ging es dann spektakulär zum ersten Mal hinunter in den Krka-Canyon, der auf einer schmalen Brücke durchquert wird, um dann auf der anderen Seite auf schmalen Pisten quasi dem Canyon entlangzufahren. Bei Brištane führt dann eine weitere Strasse hinunter in den Nationalpark, der dort dann auf einem schmalen Steg knapp über Wasser durchquert wird, so denn Platz zwischen den vielen Touristen zu finden ist. Das Tagesziel Primošten besuchte ich nach 2007 zum zweiten Mal, der Ort ist sehr pittoresk auf einer kleinen Insel vorgelagert und hat trotz der vielen Touristen seinen Charme behalten, vor allem wenn man wie ich das Glück hat an der Strandpromenade ein 2-stöckiges Apartment la Mare mit 2 Terrassen zu finden. Diese Gelegenheit muss ich für eine Pause zum Entspannen einfach nutzen.

Primošten-Makarska

  • Distanz: 353 km
  • Höhenmeter: 3780 m
  • Land: CRO / BIH

– 5 km unbefestigt zwischen Bilini und Bratski Dolac 

– 45 km breite unbefestigte Piste zwischen Bosansko Grahovo und Glamoč, sehr spezielle Landschaft mit grossen Karsttrichtern

Gleich zu Beginn der nächsten Etappe führte mich mein Tomtom unerwartet 5 km über eine gröbere Schotterpiste, es sollte für längere Zeit der letzte unbefestigte Abschnitt bleiben obwohl ich bei der Routenwahl eigentlich darauf aus war. Erst in Bosnien nach Bosansko Grahovo gings erst unbefestigt über einen Gebirgszug und durch einen grösseren Wald, für die lange Strecke bis Glamoč fehlte mir aber der Mut und so gelangte ich auf eine traumhafte und breite Piste, die insgesamt 45 km vorbei an riesigen Karsttrichtern Richtung besagtes Glamoč führte. Dieses «Hochtal» bis Livno hat landschaftlich einen grossen Reiz, die Route diesseits des Buško Jezero konnte da leider nicht mithalten, zudem muss in Bosnien an jeder Ecke mit Radarpistolen gerechnet werden, echt anstrengend! Auf gut ausgebauten Strassen ging es zurück nach Kroatien an die Magistrale, genauer an die Makarska Riviera, nicht nur in der Abendsonne ein goldenes Vergnügen mit dem Ausblick auf die Insel Brač. Seit meiner ersten Balkanreise im 2006 besuche ich Makarska regelmässig, ist ein weiterer Herzensort in Dalmatien geworden, allerdings sind seit damals die Touristenzahlen wie in ganz Kroatien massiv gestiegen.

Makarska-Zabljak

  • Distanz: 353 km
  • Höhenmeter: 6590 m
  • Land: CRO / BIH / MNE

– 15 km unbefestigt zwischen Gornje Zemlje und Barci 

– 20 km unbefestigt zwischen Argud und Kalinovik

– quer durch den Durmitor Nationalpark

Makarska liegt am Fuss des Sveti Jure, dieser sollte unbedingt besucht werden, bietet er doch fantastische Aussicht auf einen grossen Teil der kroatischen Küste und die vorgelagerten Inseln, zudem ist er ein beliebtes Wanderziel/-Paradies. Dieses Mal verzichtete ich auf diesen Abzweiger in die Stichstrasse und fuhr die spektakuläre Passstrasse weiter ins Landesinnere um dann die nächste Abzweigung Richtung Kozica zu nehmen, dieses Strässchen gehört auch in mein kroatisches Standardprogramm und auch die Fortsetzung bis zur bosnischen Grenze sind einfach ein Traum. Bis Mostar gab es kaum erwähnenswertes, schon erstaunlich wie verschieden diese Länder sind, obwohl Nachbarn aber nur schon die Siedlungsstrategie (in Bosnien oft kilometerlange Strassendörfer) unterscheidet sich frappant, was gleich nach der Grenze ersichtlich ist. Mostar querte ich schnell, ich denke da müsste ich mir mal wirklich Zeit nehmen und war dann erstaunt als es kurz danach über viele Serpentinen eine wunderbare Passstrasse hochging, mit Blick auf das Neretva-Tal und Mostar in weiter Ferne. Kurz nach der Passhöhe geriet ich eine Baustelle, problemlos unbefestigt passierbar, um kurz danach wieder auf einer bestens ausgebauten Passstrasse zu landen aber nur für ein paar Hundert Meter. Das unbefestigte Strässchen (15km) danach bis Borci schmiegte sich wunderbar an den steilen Abhang und bot zwischen den dichten Bäumen immer wieder atemberaubende Aussichten auf den Boračko Jezero.

Dieser fantastische Bergsee böte sicher beste Gelegenheit um zu Campen, für mich ging es aber weiter Richtung Montenegro. Zunächst auf einer wunderbar zu fahrenden Landstrasse, teilte sich diese unvermittelt in 2 schmale Pisten (ca. 20km), die Richtung, die ich einschlug, wurde immer schlimmer und liess mich zweifeln den richtigen Abzweiger genommen zu haben. Nach einer steilen grobsteinigen Abfahrt landete ich auf einer mit Holzplanen beschlagenen Brücke, danach sah es für kurze Momente wieder nach einer Hauptstrasse aus aber nur für kurze Zeit. Auf die unbefestigte Abkürzung von Kalinovik Richtung Foča verzichtete ich angesichts des späten Nachmittags dann, wollte ich es doch noch bis Zabljak schaffen. Der grosse Umweg verschaffte mir dafür eine unvergessliche Fahrt durch den Bistrica-Canyon, der dann aber später entlang der Drina und Piva beinahe überboten wurde. Richtig spektakulär wird es dann, wenn man vom Piva Stausee in den kleinen Tunnel Richtung Durmitor Nationalpark abbiegt, hier geht es durch 7-8 schmale und unbeleuchtete Kehrtunnels den Berg hoch, dazwischen immer wieder fantastische Aussichten auf Stausee und Canyon. Die südliche Strecke von Zabljak via Durmitor zum Stausee hatte ich 2014 schon gefahren, diesmal erwartete ich eine Piste quasi über den Berg, da muss ich wohl noch einmal auf die Suche gehen, landete ich doch weniger berauschend auf einem kleinen, geteerten Strässchen nach Zabljak, das kurz vor dem Ziel jedoch noch einige wunderbare Ausblicke in der Abendsonne bot. Zabljak selbst ist ein Retortenort wie es ihn schöner in den Alpen gibt, speziell jedoch die sehr steilen Dächer der Häuser.

Zabljak-Shkodra

  • Distanz: 284 km
  • Höhenmeter: 4050 m
  • Land: MNE / ALB

– mittlerweile alles asphaltiert, mit einer kurzen Ausnahme gleich nach der Grenze zu Albanien

Für die Fahrt von Zabljak nach Shkodra(info) hatte ich mir eigentlich einiges an Schotterpisten erhofft, da wurde ich aber bis auf ein kurzes Stück nach der Grenze in Albanien enttäuscht. Die ganze Strecke war meistens sehr gut asphaltiert, landschaftlich auch nur beschränkt reizvoll bis auf das Tal entlang der montenegrinischen Grenze. Shkodra(bilder) hatte ich zum ersten Mal 2007 durchquert und war damals total überfordert vom Chaos auf der Strasse mit allem was sich bewegt, Pferde-/Rinderkarren, Fussgänger, Fahrräder, Busse, krass stinkende LKWs, Rostlauben aller Art und dann aber vorwiegend die schicksten Autos mit dem Stern.

Da hat sich die Stadt aber unglaublich gewandelt, ok, der Verkehr immer noch chaotisch aber auf die schwächeren wird Rücksicht genommen, egal ob der Kreisel auf dem Fahrrad verkehrt umfahren wird. Auch die Altstadt zeigte sich im besten renovierten Kleid, eine wirklich hübsche Fussgängerzone mit vielen Kaffees und Restaurants, ok, viele haben das Geld nicht dort auch essen zu gehen…. Das sehr zentrale Hotel Kadudu war zwar bezaubernd geführt, nach einem ersten Schnuppern im Zimmer musste ich jedoch ein anderes im angrenzenden neuen Gebäude verlangen, die Luft war mir echt zu dick.

Shkodra-Theth-Shkodra

  • Distanz: 178 km
  • Höhenmeter: 2660 m
  • Land: ALB

– je 16 km unbefestigt ab Passhöhe bis Theth und zurück

Shkodra sollte die Basis für einen Ausflug nach Theth bleiben, allerdings schaffte ich es nicht früh genug aus den Federn, um die Runde zu drehen, dafür braucht man wohl an die 12 Stunden. Da vor allem die Südroute sehr anspruchsvoll zu sein scheint entschied ich mich beide Wege über die Nordroute zu fahren, so konnte ich den viel umschriebenen Ort doch noch besuchen. Die eher schmale Passstrasse durchs Tal von Koplik Richtung Theth bis zur Passhöhe ist mittlerweile bestens asphaltiert und ein Motorradtraum für jedes Bike und dann der Ausblick oben in diese fantastische Bergwelt, absolut kein Abstrich im Vergleich zu den Hochalpen. Die rund 15 unbefestigten Kilometer hinunter nach Theth sind dann zwischendurch, Schwindelfreiheit vorausgesetzt, trotzdem eine Herausforderung, vor allem muss an jeder Ecke mit schnell fahrenden Touristen-Taxis gerechnet werden. 

Obwohl wie ein Restaurant getischt gab es in Theth nicht wirklich etwas zu essen im Dorfladen, wie gesagt eher ein Laden, allerdings ist mein albanisch nicht das beste (ehrlich gesagt, kein Wort). Viel schneller als gedacht war ich wieder oben auf dem Pass und die Triumph war leider wieder am Kochen, da hatte sie doch 4 Tage wie früher alles mitgemacht und nun dies. In Albanien erhoffte ich mir keine Hilfe, nun hiess es einfach die Maschine ohne weiteren Schaden nach Hause zu schaukeln, wobei sie immer wieder normal lief und dann unverhofft wieder zu kochen begann. Jedenfalls machte ich in Shkodra noch eine Ecke ans andere Seeufer, wirklich bezaubernd, auch die Gruppe Pferde, die sich genügsam auf der Strasse tummelte und sich von einem hupenden Autofahrer nicht beirren liess. Krass war der Anblick eines «Ghettos»? von Romas? Kaum hatte man über den Ausfluss aus dem See gewechselt, sehr sehr ärmliche Verhältnisse dort die man passieren muss auf der Fahrt an die Strände des Shkodrasees. In Zogaj ist dann Schluss/Sackgasse, weiterfahren zurück nach Montenegro geht hier nicht aber eine traumhafte Abendstimmung am See geht allemal.

Shkodra-Ohrid

  • Distanz: 298 km
  • Höhenmeter: 4160 m
  • Land: ALB / MKD

– 45 km unbefestigt, alte Strasse zwischen Kukës und Peshkopi

– die Altstadt von Ohrid ist Teil vom UNESCO-Weltkulturerbe

Bei eitel Sonnenschein ging es am nächsten Morgen weiter in die Berge Richtung Pukë und Kukësh, eine bestens zu fahrende Gebirgstrasse, einfach schön, kaum Verkehr. Weiter Richtung Peshkopi nahm ich dann die Alternative über die «alte»? Strasse die unbefestigt durch einen Canyon führt, wirklich spektakulär, zeitweise auch recht anspruchsvoll aber absolut empfehlenswert mit geländetauglichem Untersatz. Die Strecke von Debar nach Struga in Nordmazedonien ist auch für Strassen-Motorräder ein Riesengenuss, eine wunderschöne, bestens ausgebaute kurvige Strasse, die an zwei malerischen Stauseen entlangführt. Ohrid ist seit 2009 immer wieder in meinem Programm, die Altstadt ist Teil vom UNESCO-Weltkulturerbe und auch wenn sie teilweise von Tourismus überrannt wird, so lässt es sich doch an der Promenade des gleichnamigen Sees hervorragend entspannen. Im Hotel Nova Riviera habe ich ein super Zimmer mit Blick auf den See und den Sonnenuntergang bekommen, einfach fantastisch und dies zu einem kaum schlagbaren Preis, Parkplatz inklusive.

Ohrid-Berat

  • Distanz: 225 km
  • Höhenmeter: 2180 m
  • Land: MKD / ALB

– 20 km unbefestigt durch den Galicica Nationalpark bei Ohrid. Diese Strecke nur bei trockenen Verhältnissen fahren, es wird sonst zur Schlammpartie in der Höhe des Nationalparks. 

– ich habe versucht direkt von Gramsh nach Berat zu fahren, das war mir dann aber zu extrem und ich habe nach 2 Drittel (28 km) wieder umgedreht. Wie ich später herausfand war ich kurz vor der Passhöhe…..mir fehlte etwa 1km und dann wäre es wohl problemlos weitergegangen

– die Altstadt von Berat ist Teil vom UNESCO-Weltkulturerbe

Vom Wetterglück beseelt suchte ich am nächsten Tag erst Mal die Zufahrt auf den Berg, der den Ohrid- und den Prespasee trennt. Endlich gefunden, wurde das eine richtige Herausforderung, Teils grobschottrig und teilweise sehr ausgewaschen (knietiefe Furchen) ging es erst mal steil hoch, immer wieder die schönsten Ausblicke auf See und Ohrid bietend. Oben im Galičića-Nationalpark war ich echt froh um das trockene Wetter, das wäre sonst eine kaum passierbare Schlammschlacht geworden durch das tiefe Weide- und Sumpfland. Es war landschaftlich atemberaubend, auch nach der Rückkehr auf die befestigte Strasse mit Ausblicken auf beide Seen. Unten an der Uferstrasse war ich dann überrascht als man mir ein Eintrittsgeld für den Nationalpark abnahm, denn eine «Einfahrt» hatte ich nirgends ausgemacht aber das Abenteuer war mir die paar Euro wert.

In Pogradec in Albanien hatte man mich mal ausgelacht und gemeint, dass ich die Strecke von Gramsh nach Korça nie schaffen würde mit meiner damaligen Triumph Tiger 955i und so war ich sehr gespannt was mich erwarten würde, habe ich mittlerweile doch einiges mehr an Offroad-Erfahrung. Nun, in Maliq kaum abgebogen wurde die Strassenqualität tatsächlich eher schlecht, aber plötzlich verwandelte sich diese «normale» albanische Strasse in ein Asphaltteppich glatt wie ein Green das sich traumhaft durch einen Canyon und später entlang eines Stausees bis Gramsch schlängelte, einfach wunderbar! Um meine Offroad-Gelüste zu stillen musste deshalb dann der direkte Weg nach Berat herhalten, wobei mir das dann nach knapp 30 km zu krass wurde und mich in einer steilen Geröllhalde entschied den Rückzug anzutreten. Mann was hatte ich mich geärgert, kaum hatte ich die 350kg mühevoll in die andere Richtung bekommen, kam mir ein alter Mann mit breitem Grinsen auf seinem 50cc Mofa entgegen….. ich habs dann trotzdem sein lassen und wurde auf der Umfahrung zwischen Lumas und Kuçova dafür mit einer Traumstrecke im Abendlicht belohnt. Berat war dann zum zweiten Mal mein Nachtquartier, auch dies eine wunderschöne Stadt an einem Fluss (Osum) und Weltkulturerbe der UNESCO, auch hier lässte es sich wunderbar entlang des Flusses oder durch die grosse anliegende Promenade schlendern oder in einem der zahlreichen Kaffees selbigen verköstigen. Leider hatte das Hotel (Mangalemi) das ich vom ersten Aufenthalt her kannte keine Zimmer mehr frei, das Hotel Antipatrea bot zwar auch ein schönes Zimmer, dies aber auf die laute Durchgangsstrasse hinaus.

Berat-Vlorë

  • Distanz: 180 km
  • Höhenmeter: 2280 m
  • Land: ALB

– 75 km unbefestigt von Berat bis Këlcyrë, zum Teil sehr grob, vor allem das letzte Drittel 

– 12 km unbefestigt zwischen der SH 4 bei Pocem und Villahinë

Die Strecke nach Këlcyra wollte ich schon vor Jahren fahren, hatte damals aber nicht den Mut dazu, geschweige denn die nötige Erfahrung und Ausrüstung. Nachdem ich mich durch das Gewirr des Marktes in Berat einen Weg gebahnt hatte ging es gleich unbefestigt ab in die Berge. Was für ein grandioser Ritt, trotzdem war ich eigentlich froh nach 50 km in Buz endlich wieder Asphalt unter den Rädern zu haben, aber es sollte nur die Vorspeise gewesen sein. Wäre ich direkt nach Memaliaj gefahren, wärs wohl bei Asphalt geblieben, denn nach dem Abzweiger nach Këlcyra wurde es richtig grob, echt nur mit 4×4 oder Offroad-Erfahrung zu fahren, die Landschaft entschädigte doch für so viele Strapazen. Këlcyra liegt Ein-oder Ausgangs einer Schlucht der Vjosa, eine sehr schöne strecke, obwohl Hauptstrasse.

Etwa 40 km vor Vlorë verliess ich dann die Hauptverkehrsachse wieder, überquerte wenig später wieder die Vjosa um dann nochmal ungefähr 12 km auf einer sandigen Piste einen kleinen Pass Richtung Vlorë zu fahren. Plötzlich musste ich mich beinahe übergeben, ein übler Gestank (wie Schwefel) kroch mir in die Nase und ich staunte ob all der verrotteten Bohrtürme und schwerem Gerät das herumstand, schien aber trotzdem noch teilweise in Betrieb zu sein die Öl?-Förderung. In Vlorë hatte ich 2007 zum ersten Mal übernachtet, das war eine krasse, bedrohlich wirkende und kaputte Hafenstadt, von hier flüchteten viele Albaner nach der Wende Richtung Italien, noch immer haften die Bilder der Leute die sich an Anker und Taue krallen in meiner Erinnerung. Nun, die Stadt hat sich extrem gewandelt, ein riesiger Sandstrand wurde aufgeschüttet, dahinter kilometerweise Hotels, nicht mehr wiederzuerkennen. Die superfreundliche Chefin des Hotels Lungomare bot mir ein riesiges Zimmer mit Terrasse und Meerblick zu einem unschlagbaren Preis an, der Hammer!

Vlorë-Igoumenitsa

  • Distanz: 243 km
  • Höhenmeter: 4120 m
  • Land: ALB / GRE

– schöner Pass mit super Ausblick vor Dhermi  

– nach wie vor sehr schöne Küstenstrasse, trotz Neubau

Weiter Richtung Süden geht’s erst mal der Bucht entlang bis die Strasse plötzlich richtig ansteigt und über ein paar enge Serpentinen eine Passhöhe mit Hotels und Restaurants erreicht und einen wunderbaren Ausblick auf die ganze Küste und gar Korfu freigibt. Es ist eine traumhafte Küstenstrasse, die zwar seit dem Neubau einiges eingebüsst hat, trotzdem fantastisch zu fahren in einem steten kurvigen auf und ab. Seit ein paar Jahren kann man ab Sarandë gut ausgebaut direkt nach Igoumenitsa fahren, ich zog jedoch den Umweg über den Pass und das Hinterland vor, ist doch vor allem die Passstrasse super zu fahren. In Griechenland nahm ich eine Route mit kleinsten kurvigen Strassen, landschaftlich leider nicht mehr ganz so reizvoll wie weiter nördlich. Viel zu früh war ich dann am Hafen in Igoumenitsa aber so fand ich Zeit mal wieder richtig lecker griechisch zu essen, hatte mich doch das Essen in Albanien nicht wirklich überzeugen können. Um Mitternacht gings dann auf die Fähre und ab nach Hause, mit vielen schönen Erinnerungen im Gepäck und vor allem keinem weiteren Schaden an der Triumph. Trotzdem entschied ich mich sie zu veräussern, eine treue Begleiterin auf über 110’000 km, allerdings hatte ich schon sehr viel Geld reingesteckt und es schien kein Ende zu nehmen, lieber ein Ende (Abschied) mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende…..

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