Südamerika 7. Woche, letzte Tage

Nach Neuseeland anno 2014 ist dies meine 2. Reise in Übersee, diesmal jedoch mit der eigenen Triumph Explorer. Schon 2012 war ich einmal in Argentinien und fasziniert von den Farben in den atacamanahen Anden, der Wunsch dies einmal auf dem Motorrad zu erfahren stieg drum stetig, nun sollte es endlich soweit sein.

Dies der Blog zur siebten und letzten Woche

7. Woche, letzte Tage.jpeg

 

2017-12-19_Copiapo-Villa Union.jpegCopiapo-Villa Union

PASO PIRCAS NEGRAS

  • Distanz:446 km
  • Höhenmeter:5700 hm

ca 250 km unbefestigt

– ganze Strecke atemberaubend schön

– ab Abzweiger C-35/C- 401 bis zum Zoll > 185 km unbefestigt

– ab Laguna Brava ca 50 km unbefestigt

– Quebrada de la Troya vor Vinchina 15 km unbefestigt

– erste Tankmöglichkeit in Vinchina nach 400km

Trotz intaktem Profil sahen meine Reifen recht mitgenommen aus und so entschied ich mich angesichts der bevorstehenden 2 Andenquerungen neue aufziehen zu lassen, doch leider liess sich kurzfristig nichts grobstolliges auftreiben und so musste ich mit einem Pirelli Scorpion Trail vorlieb nehmen. Bis das Motorrad wieder fit war genoss ich die 2 fahrfreien Tage im grünen Patio des Palace Hotels, die Stadt selbst wollte nicht wirklich viel hergeben, sie wirkt irgendwie europäischer als andere, mit Fahrradwegen, viel Grün und unüblicher Sauberkeit, dafür aber auch ziemlich charmefrei. Für die 450 km lange Fahrt nach Villa Union wollte ich eigentlich meine PET-Flaschen wieder mit Benzin füllen, dies wurde mir aber an der Tankstelle mit Bussenandrohnung untersagt, dies sei in Chile strafbar. Also lieber in der Wüste ohne Sprit enden als explodieren, ich weiss nicht was öfter passiert aber bei meiner Weiterfahrt schaute ich dann schon sehr auf eine ökomische Fahrweise. Liegt Copiapo auf rund 300m, so war ich doch sehr erstaunt als ich auf meinem GPS nach rund 60 km Fahrt auf meist guter Piste in einem Flussbett plötzlich schon 2000m ablas und dies ohne eine Steigung bemerkt zu haben, was sich in der Folge dann aber richtig änderte, denn nach weiteren 10km und einigen steilen Serpentinen waren es dann 3000m. Wieder erstaunt war ich dass sich die Strasse nun wieder weit in ein Tal hinunterschlang um dort erneut einem überraschend viel Wasser führenden Fluss zu folgen. Das Wasser sah sehr dreckig aus und schien eher von einem Gewitter als einer Quelle zu kommen, ich beobachtete deshalb den Himmel sehr genau, denn Gewitter in den Anden können lebensgefährlich sein. Die ganze Piste führte eigentlich immer über Brücken und wenn auch wenig aber Verkehr war auch da, so machte ich mir nicht wirklich Sorgen. Plötzlich kam ich an eine Stelle, ungefähr 20m lang, an der Wasser über die Piste lief und die sehr schlammig aussah, ich suchte mir quasi die einzige vorhandene Spur aus und kaum drin, sank meine Vorderrad bis zur Achse ein. Na super! Da hatte mir doch ein Instruktor von Motoaventura noch gesagt sämtliche Wasserquerung zuerst zu Fuss abzuschreiten und ich fahr einfach so rein. Nun, einen Rückwärtsgang gibt’s bei meinem Motorrad nicht, also voll Schmackes Gas aufdrehen, Vorrad raus und mit dem hinteren eingebuddelt, da liess sich mit noch so viel Gas und den neuen Reifen ohne Stollen gar nichts mehr machen. Das Rufen bei einem kleinen Stall in der Nähe blieb reaktionslos und nur warten bis dann vielleicht mal wieder ein Auto und Hilfe kommt wollte ich nun angesichts fortschreitender Zeit auch nicht. Also Gepäck runter vom Motorrad, dann war der Plan das Motorrad hinzulegen, das machte es aber gleich selbst und dann wollten Steine gesucht und das Loch damit aufgefüllt werden. Das war alles nicht so einfach weil ich immer wieder bis zum Stiefelrand einsank aber nach einer halben Stunde war ich soweit und genau in diesem Moment kam dann auch ein Auto mit Leuten die mir beim Bergen helfen konnten. Zu dritt schafften wir es das Motorrad auszugraben und auf sicheren Untergrund zu bringen, wiedermal Glück gehabt. Wobei, ich kann mir heute noch nicht erklären wie der Bremshebel im Schlamm abbrechen konnte, nun ja, es gibt da eine Sollbruchstelle und fahren kann man trotzdem, bremsen auch….

Das Schild Aduana 10 km zeigte mir, dass die Grenze wohl bald erreicht wäre, obwohl ich niemals schon auf 4500m war. Der Zoll war aber nach 10km auch nicht da, das heisst, da waren ein paar verlassene Hütten, mit Aduana angeschrieben aber auch auf mein Rufen gab es keine Reaktion, tja, weiterfahren, der kommt ja vielleicht noch. Nun stieg die Strasse wirklich an, in Serpentinen ging es über die nächste Cuesta, auf gut 4200m, das waren dann mit der Zwischensteigung weit über 4000m Anstieg, der grösste meiner Reise. Die nächste Tafel, 40km Aduana Argentina liess mich kurz zucken, hatte ich nun den chilenischen Zoll wirklich verpasst, wenn ja, muss ich die ganze Strecke zurück? Ausreisen ohne Stempel würde das wiederholte Einreisen wohl verunmöglichen, vor allem aber würde das Motorrad zum Problem oder dessen Verzollung. Nach 40km dann ein Aduana Zeichen das ins nirgendwo zeigte, hmmm, der Pass wird doch offen sein, auch wenn erst seit Anfang Dezember, ich hatte doch einen Brasilianer getroffen der drüber fuhr. Nach weiteren 5 km dann endlich versteckt das Zollhaus, selten war ich so erleichtert einen Zoll zu sehen. Die Abfertigung wiederum verlief sehr zügig, auch wenn zuerst ein chilenischer Migrations-Beamter gesucht werden musste. Vor der Weiterfahrt stellten sich dann sämtliche 4 Beamte um mein Motorrad und wir plauderten und lachten, von wegen in Chile darf kein Benzin in PET-Flaschen transportiert werden, in Argentinien dürfe man sich dieses in sämtliche Körperöffnungen leeren…..

Eigentlich legte genau dieser Pass den Grundstein für meine Reise, war ich doch vor 5 Jahren schon oben auf der argentinischen Seite, bei der Laguna Brava, damals für mich eines der eindrücklichsten Erlebnisse überhaupt im Leben. Es war die erste Begegnung mit diesen Farben, diesem Licht und auch dieser Höhe. Doch nun, die dritte Einreise nach Argentinien, zum 3. Mal tiefschwarze Wolken, diese waren nicht nur fototechnisch ärgerlich, denn die Büsserschneefelder konnten kaum ins richtige Licht gerückt werden, sondern auch stimmungsmässig, denn beim Abbiegen auf die Piste entlang der Laguna Brava kam es wieder eisig weiss aus den Wolken, vom Farbspektakel war kaum etwas zu sehen, was für eine riesige Enttäuschung, dies hätte doch der Höhepunkt darstellen sollen. Halbwegs entschädigt wurde ich durch die Quebrada zwischen Jagüe und Vinchina, die hatte ich nicht mehr so umwerfend in Erinnerung. In Vinchina fragte ich dann einen am Strassenrand Sitzenden wo es Combustible gäbe, dazu ist zu sagen, dass es für Benzin / Tankstelle und Parkplatz in jedem Land ein anderes Wort gibt, so muss die Frage für den Argentinier sehr doof geklungen haben, ja klar meinte er, an der Tankstelle, das ist etwa so wie wenn uns jemand fragt wo es Benzin gäbe und die Antwort Tankstelle ist. Naja, wenn ich langsam fahren würde, würde ich sie dann schon sehen und ich hatte wiedermal Glück, es waren grad noch 3 Deziliter im Tank…..

 

2017-12-20_Villa Union-Rodeo.jpegVilla Union-Rodeo

  • Distanz:485 km
  • Höhenmeter:2990 hm

– schöne Passstrasse von Villa Union nach Chilecito

– vorbei an den Nationalparks Talampaya und Valle de la Luna

– fantastisches kleines Passsträsschen nach Huaco Richtung San Jose de Jachal und weiter nach Rodeo

Der nächste Tag sollte mich über einen Schotterpass nach Chilecito bringen aber oho, da haben sich die Argentinier richtig ins Zeug gelegt und auf der Nordseite eine spektakuläre Passstrasse in den Fels gehauen. Die nächsten 200 km waren langweilig und zum vergessen, richtig spannend wurde es dann aber kurz nach dem Abzweiger Richtung argentinischem Valle de la Luna oder Ischigualasto wie der Nationalpark offiziell heisst. Diesen hatte ich schon vor 5 Jahren besucht (ein Muss!, einfach ein Traum diese roten Sandgesteine und Formen) und drum nun rechts liegen gelassen, genau wie Talampaya (auch ein Nationalpark gleich um die Ecke), denn nun führte die Strasse wiederum super ausgebaut hinunter in einen Canyon, was für ein Anblick. Es war als würde man sämtliche Darmwindungen mitmachen und am Ende unverdaut durch ein gewisses Loch in eine weite Ebene ausgespuckt, komischerweise mit genau der normalen Körpertemperatur von 36.8 Grad. Auf der anderen Seite der Ebene gings dann wieder auf einer traumhaften Motorradstrecke über ein kleines Pässchen hoch zu einem Stausee und an San Jose de Jachal vorbei in die nächste umwerfende Quebrada nach Rodeo, wobei sich wohl San Jose besser angeboten hätte als Nachtlager.

Embalse Cuesta del Viento 2
Embalse Cuesta del Viento

 

2017-12-21_Rodeo-Vicuna.jpegRodeo-Vicuna

PASO AGUAS NEGRAS

  • Distanz:269 km
  • Höhenmeter:3210 hm

ca 85 km unbefestigt

– zum Abschluss quasi die Krönung, die Anden nochmal in ihrer ganzen Schönheit

– kaum gehts hinein ins schmale Tal, schraubt sich die Strasse unbefestigt 3000m hoch bis zur Grenze und teilweise wieder steil und grob hinunter zur Staumauer der Embalse la Laguna in Chile

Schon am Ortsrand von Las Flores fand dann die nächste Passkontrolle statt, satte 180 km vor dem chilenischen Zoll und diese 180 km sollten es in sich haben, vor allem landschaftlich. Hingen auf der argentinischen Seite wieder tiefschwarze Wolken am Taleingang so lösten die sich schon sehr bald auf, Kaiserwetter würde man in Kitzbühel sagen und kaiserlich zeigten sich auch die Berge, ja gewisser weise war dies auch die Hahnenkammstrecke für Motorradfahrer. Bis weit ins Tal war die Strasse schon bestens ausgebaut (Argentinien bereitet sich auf einen Tunnelbau vor) und erst ab dem zukünftigen Tunnelportal wird es steil und schmal, unglaublich wie sie diese Piste in diese spröde Bergflanke gehauen haben und immer noch tun, jedenfalls waren einige Baumaschinen unterwegs. War schon die Ostseite des Paso Agua Negra spektakulär, so wird er auf chilenischer noch um einiges überboten, da war diese Farbenpracht die ich vom Paso Pircas Negras erwartet hatte, Hühnerhautstimmung war das. Und als ob es noch einen Höhepunkt gebraucht hätte, führte die Piste unerwartet einem Stausee entlang der mit seinem Grün das tiefblau des Himmels konkurrierte. Hinunter ins 80km entfernte Vicuna gings dann wieder asphaltiert durch ein Tal mit unglaublich steilen und hohen Bergflanken.

 

2017-12-22_Ausflug la Serena.jpegAusflug la Serena

  • Distanz:127 km
  • Höhenmeter:1090 hm

 

– La Serena, DER Badeort an der Chilenischen Pazifikküste mit nettem Stadtzentrum

Die fehlende Luft in meinem neuen Reifen liess mich am nächsten Morgen richtig staunen, denn es war von Auge kein Makel am Reifen festzustellen, doch der Gommista an der Ecke fand ein kleines Loch und flickte es flink, trotzdem musste dann La Serena als Tagesausflug genügen, obwohl die Stadt einlädt sie sich genauer anzuschauen, es wäre sicher ein Ort um länger zu bleiben.

 

2017-12-23_Vicuna-Illapel.jpegVicuna-Illapel

  • Distanz:326 km
  • Höhenmeter:3860 hm

ca 75 km unbefestigt

– la Campana > Andacollo > Samo Alto (im 1. Teil gibt es eine sehr schwer zu fahrende Cuesta (3 km steile Passage, Piste in Geröllhalde, sehr ausgewaschen)

– zwischen Monte Patria und Combarbala reinste Motorradstrecke

Für die letzten 2 Fahrtage nach Valparaiso hatte ich mir noch was aufgehoben, viele Möglichkeiten der Routenwahl gibt’s nicht, entweder die Autobahn Panamericana oder die Strecke die ich schon vor ein paar Wochen fuhr. Aber da gab es noch ein Stück quer durch nach Andacollo und Samo alto und das erste Teilstück hatte es in sich, die Cuesta kurz vor der Passhöhe, eine 3 km lange, steile Schotterpiste, tief ausgewaschen mit losem Gestein, das war die grösste fahrerische Herausforderung der ganzen 7 Wochen, für die ganzen 110 km brauchte ich gut 3 Stunden.

Unterwegs traf ich dann die 3 Schweizer wieder, die ich am Vorabend in Vicuna kennengelernt hatte und somit hatte ich dann auch Gesellschaft um am Abend auf meinen Geburtstag anzustossen. Dieser wird mir nun aber wohl noch lange als schlimmster in Erinnerung bleiben, begann doch just dann ein Zahn zu schmerzen und mir den Schlaf zu rauben. Was in Zürich wohl kein Problem dargestellt hätte ist im katholischen Chile aber eine grössere Herausforderung, nämlich die Suche nach einem Zahnarzt am 24. Dezember, mir blieb nur so schnell wie möglich nach Santiago zu fahren und dort in einer Privatklinik in den Notfall zu gehen. Da dieser Notfallzahnarzt aber wohl schon geistig am Geschenke auspacken war und seine Arbeit nur halb machte, plagten mich in der Nacht darauf die schlimmsten Schmerzen an die ich mich erinnern kann, 2 Tage später beim Zahnarzt in Valparaiso war man dann nur erstaunt über so viel Stümperhaftigkeit. 2 Wurzelbehandlungen in 2 Tagen und tagelange sehr sehr starke Schmerzen sind nun leider der letzte Eindruck einer mehr als 12000 km langen Fahrt quer über die Anden und fälschen den Rückblick auf ein spektakuläres Erlebnis.

 

2017-12-24_Illapel-Santiago.jpegIllapel-Santiago

  • Distanz:291 km
  • Höhenmeter:2810 hm

– nochmal eine sehr schöne Motorradstrecke bis los Vilos, Vorsicht jedoch vor den vielen Chinchillas

 

 

 

2017-12-25_Santiago-Valparaiso.jpegSantiago-Valparaiso

  • Distanz:255 km
  • Höhenmeter:2850 hm

– nochmal die Passstrasse ab Tiltil, schöner Abschluss

– das Gebiet südlich von Valparaiso erinnerst mich sehr stark an Neuseeland, grün, hügelig, mit tausend Kurven und einigen sehr schönen Buchten mit Sandstränden

 

 

 

 

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